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Benchmark für die weitere Klimadiskussion
Von M. M., 04. November 2007 – 12:40:00
The proposition that irrational beliefs lead to foolish policies is largely correct. Under realistic assumptions, irrational thougt leads to foolish action.*
Die NZZ am Sonntag publiziert heute einen Essay von Prof. Bruno Keller. Der lehrte bis August 2007 an der ETH Zürich Bauphysik und baut heute mit seiner Firma Keller Technologies u.a. Energiesparhäuser in China.
Seine eben nicht durch Irrationalitäten geprägten, sondern auf Fakten gestützten Anmerkungen, die heute unter den Titel "Auch eine Ökodiktatur löst unser Energieproblem nicht" veröffentlicht wurden, sollen hier fortan als Benchmark für die weitere Diskussion gelten. Sonst wird das nichts.
- Die Schweiz produziert lediglich 23 % des Gesamtverbrauchs an elektrischer Energie. Der Rest wird importiert.
- Deutschland produziert 63 % seiner elektrischen Energie fossil mit Braun- und Steinkohle und Erdgas. Wenn Merkels Plan von einem 20 %-Ersatz durch Winderenergie erfüllt wird, bleiben immer noch 43 % (Schweiz heute: 0 %).
- China nimmt derzeit Woche für Woche ein Kohlekraftwerk von ca. 1 Gigawatt in Betrieb.
- China plant Kernkraftwerke von insgesamt 40 Gigawatt und hortet dafür Uran.
- Hauptbrocken des Energieverbrauchs in der Schweiz sind die Gebäude: 91 % fossile Brennstoffe, 9 % Elektrizität.
- Lediglich 1,7 % der gesamten Gebäudemasse der Schweiz werden pro Jahr durch Neubau, Umbau oder Sanierung erneuert.
- China produziert derzeit pro Jahr die doppelte Bruttogeschossfläche des derzeitigen Gesamtbestands der Schweiz. Der Energiebedarf für diesen jährlichen Anstieg ist grösser als der gesamte Energiebedarf der heutigen Schweiz.
- Selbst wenn in der Schweiz nur noch Minergie P-Gebäude zugelassen würden, würde damit lediglich eine Reduktion des Gebäude-Energiebedarfs bis ins Jahr 2050 von heute 550 auf 335 Megajoule pro m2 erreicht (61 % des heutigen Verbrauchs).
- Die radikale Umstellung auf Wärmepumpen für eine CO2 -freie Schweiz, umgerechnet auf den gesamten Gebäudebestand der Schweiz, hätte einen Anstieg des Elektrizitätsbedarfs von 63 % zur Folge. Dies bedeutet den Bau von fünf zusätzlichen Kernkraftwerken vom Typ Leibstadt oder 240 Quadratkilometer Solarzellen oder 30 Pumpspeicherwerke oder 2'800 Windkraftwerke vom Typ Mt.-Crosin.
Der Kommentar von Prof. Keller:
Mit anderen Worten: Der Weltenergieverbrauch und der Anstieg des Kohlendioxid-Gehaltes werden nicht durch das Zwergland Schweiz bestimmt. Der CO2-Ausstoss wird trotz Kyoto und Rio weltweit stark ansteigen, den Zeitpunkt, das zu verhindern, haben wir bereits verpasst.
Selbstverständlich solle man alles unternehmen, um so energieeffizient wie möglich zu bauen und zu sanieren und alle mobilisierbaren Energiequellen, von der Wasserkraft über die anderen erneuerbaren Energie bis zur Kernenergie so rasch wie möglich ausbauen. "Aber wir dürfen uns nicht Illusionen hingeben, die zu gravierenden Fehlentscheiden führen können und ungedeckte Wechsel auf die Zukunft darstellen."
Dazu als Ergänzung meine wiederholte Anmerkung: Ich bin für eine Reduktion fossiler Brennstoffe wie Öl und Gas aus politischen Gründen. Die Abhängigkeit vom Öl aus den Golfstaaten und Südamerika und vom Gas aus Russland ist für uns eine schwere politische Hypothek. Und: Wir reduzieren damit die Gefahr eines Konflikts mit China um Energieresourcen.
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*The Myth of the Rational Voter", Bryan Caplan, Princeton University Press
- 4.0
- | Kategorie: Klimawandel
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Kommentare
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*würg*
- Von: Pinugin
- , 05. November 2007,
- 20:35
Eisbär übersieht, dass die Schweiz nicht nur elektrische Energie benötigt. Deshalb die Tatsache, dass die Schweiz ihren Energiebedarf nur zu rund einem Viertel selbst deckt.
Eisbär ist abgesehen davon ein echter Politiker: Mehr Geld, am besten nicht aus dem eigenen Sack! Wieso nicht gleich alles abreissen und neu bauen, ganz im Sinn der links-grünen Ökofaschisten? Und dabei noch ein bisschen Euthanasie, damit "Mutter Erde" an weniger Menschen genesen kann? *würg*
Dr Pinguin het halt Scheuklappä vor dä
- Von: Eisbär
- , 05. November 2007,
- 20:39
Augä, will nämmli dr Dottorä Keller spezifich diä elektrischi Energie gmeint het, dä sürml.
Erschlagen
- Von: Reto Stauss
- , 04. November 2007,
- 14:43
Diese Zahlen aus China erschlagen, sind beinahe nicht zu begreifen. Dieser Kahn namens Weltgemeinschaft mit Kapitalismus-Antrieb lässt sich wohl nicht mehr steuern. Wo führt uns die Fahrt hin?
Backlinks
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- http://www.google.ch/search?q=co2+aussto%C3%9F+07+Schwe…
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Manfred Messmer ist seit 1986 Berater für strategische Kommunikation und war zuvor während zwölf Jahren als Journalist tätig.
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Zurück aus dem Wasser freue ich mich,
wieder einmal einen interessanten Beitrag von Ihnen vorzufinden.
Es ist tatsächlich so, dass das Energie-Verhältnisse Schweiz / China dermassen ausseinander liegt, dass global gesehen, unsere Anstrengungen nicht relevant sind.
Zu den einzelnen im Essay veröffentlichten Punkten sind folgende Antworten/Lösungen in den kommenden Jahren bereit:
- Die Schweiz produziert lediglich 23%?? Der Import von Energie macht vielleicht so viel aus, wen man die elektrische Energie, die jedes Auto produziert, etc dazu rechnet. Die im 2006 in der Schweiz verbrauchten 58 Terawatth wurden zu einem grossen Teil aus einheimischer Produktion gedeckt. Der Anteil an Importstrom von Frankreich macht nie und nimmer 77 % aus. Höchstens 7-10% - die genauen Zahlen müsste ich nachschlagen.
- DE - Strom aus Kohle und Erdgas. Ist richtig. Dieser Anteil wird
sicherlich auch in Zukunft sehr hoch bleiben, trotz Ausbau der
Wind- und Sonnenenergie. Mit den neu entwickelten CO-2
Filteranlagen (CO2 Bindung), welche in 3-5 Jahren marktreif
sein werden, kann bis zu 90% CO-2 gebunden werden.
Der CO2 Ausstoss kann also massiv gesenkt werden.
Kohle Oel und GAs sind jedoch nichtunbegrentzt verfügbar.
(Uran übrigens auch nicht). Deshalb werden Wind-,Sonnen-
energie und Erdwärme so oder so bis Ende Jahrhundert den Gross-
teil der Energie weltweit decken.
- China - 1 Kohlekraftwerk pro Woche. Antwort siehe oben.
(Die Firmen, welche in diesem Filtergeschäft tätig sind, haben
in diesem Bereich einige Boom - Jahre vor sich).
- China AKW's. Weltweit können bei voller Anstrengung pro
Jahr höchstens 60 neue AKW's gebaut werden. Die AKW's
produzieren heute nur ca. 8% der gesamten globalen Strom-
produktion. Selbst wenn pro Jahr 60 neue AKW's gebaut würden, würde der prozentuale Anteil in den nächsten Jahren sogar sinken.
- Schweiz Gebäudeheizungen: ist richtig. Deshalb braucht es
dringend mehr Förderung für Wärmedämmung/Isolierungen,
sowie für Solarwärme und Erdwärem. Die 91% fossile Brennstoffe
blasen so viel Feinstaub und sonstige Umweltgifte in die Luft,
dass wir in allen Aglomerationen im Winter Smog und enorm
hohe Feinstau-Werte haben. Es ist also so oder so wichtig, diese
Belastung zu verringern. Denken Sie an die Gesundheitsschäden,
die dadurch entstehen. Dass dabei noch der CO2-Ausstoss
reduziert wird, ist ein für diie Kioto-Ziel brauchbarer Nebeneffetk.
- 1,7% pro Jahr Neubauu/Umbau/Sanierung. Ist richtig. Deshalb
braucht es dringend mehr Förderung (siehe oben). Die Förderung
hat zudem einen positiven Effekt auf die Bauwirtschaft für viele
Jahre. Und das bringt dem Staat wiederum Mehreinnahmen.
- Bauboom in China. Es wird schwierig sein und Jahre dauern, bis
dort die Solarwärme, Erdwärem etc. prozentuall den grösseren Teil
der Wäremproduktion ausmachen werden. Eines ist jedoch klar.
Der Erölpreis ist heute schon bei USD 90.00. Gas ist auch teuerer
geworden. Die Kohle wird ebenfalls enorm teurer werden. Sonnen-
und Windenergie werden jedoch immer günstiger. Bis in ein
paar Jahren wird sich der Boom der erneuerbaren Energien
deshalb enorm verstäken. Der Markt wird dann zu gunsten der
Erneuerbaren Energien kehren, sodass ein enormes Wachstum
über Jahrzehnt bereits heute vorausgesagt werden kann.
Dass die Sonnen- und Windenergie unerschöpflich sind, weiss
jedes Kind. Das selbe gilt für die Erwärme.
- Minergie-P Gebäude: Eine solche Reduktion wäre doch super.
- Umstellung auf Wärmepumpen. Die Technologien werden stetig
weiter entwickelt und verbessert. Eine Kombination Wärmepumpe,
Sonnenenergie wird heute schon empfohlen. Wenn man die
Sonnenenergie richtig nutzt, wäre eine Vervielfachung des Stromverbrauchs problmelos möglich. Übrigens werden immer mehr Klimaanlagen gebaut, welche im Sommer während des Tages enorm viel Strom verbrauchen. Auch diese Anlagen werden mehr und mit Solarstrom betrieben. Es führt kein Weg an der Sonnen-, Wind- und "Erdenergie" vorbei.
Ein schöner Essay von Prof. Bruno Keller.
Ich grüsse Ihn von dieser Stelle.