Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten

Der Jetstream des Al Gore

Er reist mit dem Luxusjet um die Welt in Sachen Klimawandel und geizt nicht bei der Stromrechnung: Je mehr Energie Al Gore verbraucht, desto besser ist es für den Planeten. Für diese Botschaft bekam er den Friedensnobelpreis.

Dirk Maxeiner in der Weltwoche: Der grüne Star

Kommentare RSS: title= Kommentare als RSS-Feed

Ad hominem?

Herr Messmer, was ist genau Ihre Aussage?

Ich finde es schade, dass sie sich, wie die Weltwoche, auf die Stufe von ad hominem-Attacken begeben, statt über die Sache selbst zu diskutieren. Gerade im Zusammenhang mit dem Klimawandel lässt sich oft beobachten, dass sonst gewisse Leute Kritik um der Kritik willen üben statt sich mit der Faktenlage zu beschäftigen --

Ich bin selbst beileibe kein Fan von Al Gore und seinem sensationalistischen Getue, Sie sollen aber genauso wissen, dass der Film von nahmhaften Klimawissenschaftlern inhaltlich wenig kritisiert wurde. (Die oft gehörte Meinung, dass dies ja klar sei, weil die Klimaforscher sonst keine Gelder mehr erhalten, finde ich extrem fragwürdig. Damit begibt man sich schnell auf die Ebene der IPCC-Verschwörungstheorien; man begibt sich einmal mehr auf eine unsachliche Argumentationsebene -- vielleicht, weil man in der Sache nichts zu sagen hat?)

Sie täten besser daran, in Zukunft Links auf Artikel in den gestandenen Journals statt auf tendenziöse scheinwissenschaftliche Artikel in der Weltwoche zu veröffentlichen. Sonst muss man sich wirklich fragen, wie kritisch Sie mit diesen wichtigen Themen umgehen.

Re: Ad hominem?

  • Von: M.M.
  • , 19. Oktober 2007,
  • 11:08

Ich schätze den Verfasser des Artikels, Dirk Maxeiner, sehr. Er ist einer der profiliertesten Journalisten Deutschlands. Als Abonnent der WELT lese ich seine Artikel schon seit Längerem. Und wenn Sie den Weltwoche-Beitrag fertig lesen, dann sehen Sie auch, wem man den "Friedensnobelpreis" stattdessen hätte geben können. Und auch da liegt Herr Maxeiner völlig richtig.

Im Übrigen: Ich tue und lasse hier was auch immer mir passt. So ist halt die Weblogwelt.

Re: Ad hominem?

Natürlich tun und lassen Sie hier was immer Ihnen passt. Das ist auch richtig so, schliesslich halte ich es ebenso auf meinem eigenen Weblog.

Ich bin in einigen Punkten ebenfalls mit Maxeiner einverstanden. Dass Al Gore diesen Preis erhalten hat, kann man mit gutem Grund kritisieren. Dass Maxeiner aber z.B. die Erwärmung zur Zeit Hitlers beizieht ist unwissenschaftlich. Damit wird den Lesern Sand in die Augen gestreut. Dass er sich über Energiesparmassnahmen à la "Fuss vom Gas nehmen" mockiert (welche tatsächlich nicht viel bringen), gleichzeitig aber verschweigt, dass es viele Möglichkeiten gäbe, tatsächlich Energie zu sparen, zeigt auch nicht gerade, dass er die Wichtigkeit des Problems sieht. Oder ist es etwa gerecht, wenn der Klimawandel durch unsere energieverschwenderische Lebensweise vorangetrieben wird, es aber vor allem die anderen sind, welche darunter leiden werden?

Ich bin auch einverstanden, dass es heute, im hier und jetzt, ebenso wichtige Probleme gibt, welche zuerst zu beheben wären. Solange es Krieg und Hunger gibt, sind Diskussionen über den Klimawandel tatsächlich "Jammern auf hohem Niveau". Aber _hier_ gibt es keinen keinen Krieg und keinen Hunger. Warum sind wir nicht bereit, aufzuzeigen, dass es auch anders geht? Wir sind weder bereit, das Budget für die Entwicklungszusammenarbeit endlich auf die längst versprochenen 0.7% aufzustocken, noch sind wir bereit, ähnlich viel Geld in die Friedensförderung zu investieren wie in unsere Armee, noch nehmen wir als potentieller Technologieexporteur die Chancen wahr, welche durch konsequente Förderung von Energieeffizienz realisiert werden könnten. Dass es andere Probleme gibt, brauchen wir nicht dafür, um unser Engagement in anderen Bereichen zu legitimieren als dem Klimawandel, sondern rein dafür, um alle Verantwortung von uns zu weisen. Da läuft etwas gewaltig schief.

Der Pseudo-Klimaschutz à la Doris Leuthard, dem Handel mit Emissionszertifikaten, dem Clean Development Mechanism und den Joint Implementations und wie diese Werkzeuge alle heissen, können tatsächlich entwicklungshemmend genannt werden. Anders sähe es aus, wenn wir z.B. klima- und umweltfreundliche Energieproduktionstechnologien erforschen würden. Schliesslich wollen wir aus umwelt- und sicherheitspolitischen Überlegungen weder Kohlen- noch Kernkraftwerke in Afrika aufstellen, oder?

Dieser Artikel hilft sicher nicht dabei, die notwendigen und längst bekannten Massnahmen umzusetzen. Schade.

Re: Re: Ad hominem?

  • Von: M.M.
  • , 19. Oktober 2007,
  • 12:08

Sie haben das sehr ausführlich beantwortet, ich danke Ihnen für die Zeit, die Sie aufgewendet haben.

Was die Entwicklungshilfe anbelangt, so bin ich ausserordentlich skeptisch (ein paar Leser werden jetzt wieder rufen: rechts). Das ist zum grössten Teil verpufftes Geld, wie die Geschichte der letzten 50 Jahre zeigt.

Was ich mir vorstellen könnte, wäre eine Länderpatenschaft. Das heisst, die Schweiz übernimmt ihm Rahmen eines UNO-Programms die Verantwortung mit einer klaren Strategie und Zielsetzung und für eine ebenso begrenzte Zeit. Für ein, zwei, höchstens drei Länder.

Dann kann man sich nicht im Diffusen halten, sondern muss beweisen, dass sich tatsächlich etwas zugunsten der Menschen verbessert. Da wären beispielsweise Austauschprogramme vorzusehen - also Arbeitsbewilligungen für Menschen aus den Patenländern, Berufsausbildung - usw. Alles gezielt und nicht als Einbahnstrasse, beherrscht von ein paar Entwicklungsbeamten. Da könnte man auch die Bevölkerung damit begeistern und: Sehr viele Ängste vor den Unbekannten abbauen.

Aber wer nimmt das schon an die Hand, ich meine so parteienmässig. Wäre doch was für die Wir-Liberalen.

Danke auch.

  • Von: Suslow
  • , 19. Oktober 2007,
  • 13:21

Für die zivilisierte und ausführliche Auseinandersetzung.

Die Idee der Patenschaft ist gut.

Wahlkampf sollte sowieso nur ein Kampf der Ideen sein. Wer keine vorbringt, darf kein Plakat aufhängen.

Das Baselbiet wäre ziemlich leer.

Re: Re: Ad hominem?

Den Dank gebe ich gerne zurück, gerade während dem Wahlkampf gibt es selten genug sachliche Diskussionen auf einem erträglichen Niveau!

Bezüglich der Entwicklungshilfe muss man sehr skeptisch sein. Der Mutter-Teresa-Reflex gewisser Entwicklungshelfer hat bisher ebenso viel geschadet wie geholfen. Z.B. wenn durch massive Lieferungen von Mosquitonetzen die lokale Mosquitonetz-Produktion zusammenbricht... (Sharon Stone und weitere am WEF)

Wenn man einem Peter Niggli von der alliance sud zuhört, klingt es wesentlich differenzierter. Man spricht heute ja auch von Entwicklungszusammenarbeit und nicht mehr von Entwicklungshilfe. Das ist aber ein anderes Thema, über welches endlos diskutiert werden kann, und ich habe trotz mehreren Büchern, welche ich in der letzten Zeit über diese Themen gelesen habe, noch immer das Gefühl, überhaupt nichts zu wissen. Ihr Vorschlag zur Länderpatenschaft klingt interessant, das merke ich mir.

zurück zur Übersicht

arlesheimreloaded.ch [Logo]

© 2010, Arlesheimreloaded.ch