Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten
Dirk Maxeiner redet
Von M. M., 29. Oktober 2007 – 19:09:00
Wir hatten das Vergnügen, zum Abschluss der Gummersbacher Tagung einen Vortrag von Herrn Maxeiner zum aktuellen Thema "Klimawandel" zu hören. Er hat dazu ein Buch geschrieben ("Hurra, wir retten die Welt"), das zum einen das Ergebnis von Recherchen ist und zum anderen auch auf seinem seit den 80er Jahren angehäuften Wissen über Umweltfragen basiert. Der Mann war unter anderem Chefredaktor der unter ihm grössten Umweltzeitschrift Europas.
Welche Kontroversen er mit seinem Hurra-Zwischenruf bei zuvor friedlich vereinten Bloggern und Journalisten auslösen kann, zeigten die verbalen Keilereien nach seinem neunzig minütigen, sehr lebhaften und auch gestenreichen Vortrag und noch danach während des Mittagessens. Die Inhalte derselbigen behalten wir allerdings für uns. Wir geben hier lediglich die Auslöser wider, Herrn Maxeiners Einlassungen zum Weltklima.

Prinzipiell muss man wissen: Das weitaus wichtigste Treibhausgas auf der Erde ist nicht etwa Kohlendioxid, sondern der natürliche Wasserdampf, mit einem Wirkungsanteil von mindestens zwei Dritteln. Das gängige wissenschaftliche Gebäude geht davon aus, das der vergleichsweise bescheidene Kohlenstoffkreislauf den gigantischen planetarischen Wasserkreislauf in Schwung bringt. Das wäre etwa so, wie wenn ein luxemburgisches Konjunkturprogramm zunächst die deutsche Wirtschaft beflügeln, um anschliessend der EU einen Boom zu bescheren.

Das Globalklima wurde zum Globalthema, wobei Medien und Politik vor allem eine plakative Kenngrösse im Auge haben: Die Globaltemperatur. Das ist insofern erstaunlich, als sie ein statistisches Artefakt ist und nirgendwo tatsächlich herrscht. Sie lässt sich mit dem globalen Durchschnittseinkommen vergleichen, das ja auch niemand wirklich bezieht.
Welchen Temperaturunterschied es ausmacht, wenn sich im Sommer eine Wolke vor die Sonne schiebt, hat jeder schon auf der eigenen Hand erfahren. Etwa die Hälfte der Erde ist im Schnitt mit Wolken bedeckt. Die auf die Erde einstrahlende Sonnenergie liegt bei etwa 342 Watt. Wolken können davon knapp 80 Watt, also so viel wie eine starke Glühbirne absorbieren. Eine Änderung der Wolkenbedeckung um nur wenige Prozent hat also enorme Auswirkungen auf die Erdtemperatur. Der zusätzliche Treibhauseffekt durch mehr Kohlendioxid macht seit dem Beginn der Industrialisierung bis dato eine zusätzliche Strahlungsenergie von etwa 1,5 Watt pro Quadratmeter aus. Das ist in etwa so, als leuchte über jedem Quadratmeter der Erdoberfläche zusätzlich ein kleines Fahrradbirnchen.

Die Eisbären-Bestandszahlen des vergangenen halben Jahrhunderts deuten nicht eben auf erhöhtes Unwohlsein hin: 1950 gab es etwa 5'000 Eisbären, heute sind es etwa 20'000 bis 25'000. Sollte die Zukunft noch wärmer werden, wäre dies für die Eisbären vermutlich auch kein grosses Problem: Evolutionär ist der Ursus maritimus eine sehr junge Art, hat sich aus dem Ursus arctos entwickelt und könnte sich wieder mit diesem kreuzen.

Die radikalsten Ökologisten imaginieren sogar einen paradiesischen Zustand ohne Menschen. Sie empfinden unserer Art nur noch als "Krebsgeschwür der Erde". Zum ersten Mal richtet sich ein Glaube oder eine Ideologie damit gegen den Menschen selbst.

Eine Politik, die nicht in der Lage ist, die Krankenkassenbeiträge zu stabilisieren, gibt nun vor, die Welttemperatur in 100 Jahren um zwei Grad regulieren zu können. Und das Schöne dabei: Man kann mit dem sogenannten Klimaschutz alles rechtfertigen, jedes Verbot, jede Steuererhöhung. Während die Menschen die Stabilisierung der Gesundheitskosten innerhalb einer Wahlperiode überprüfen können, ist eine Erfolgskontrolle beim Klimaschutz erst in 100 Jahren möglich.
Dirk Maxeiner: Hurra, wir retten die Welt, wjs Verlag Berlin
- 4.0
- | Kategorie: Klimawandel
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Kommentare
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PS.
- Von: Matthias Kestenholz
- , 29. Oktober 2007,
- 21:22
PS: Mir ist schleierhaft, warum jeder dahergelaufene Mensch meint, er könne irgendetwas wesentliches zum Klimawandel sagen. Woher soll die Qualifikation kommen, die naturwissenschaftliche Forschung anzuzweifeln? Der 'gesunde Menschenverstand' kann nicht als Massstab gelten, da dieser auch die Relativitätstheorie und die Quantenmechanik verwerfen würde. Ich fühle mich dank mehreren Jahren Studium der Klimawissenschaft mitterweile einigermassen qualifiziert, etwas über diese Themen auszusagen -- ich werde mich aber hüten, mich z.B. im Bereich der Medizin oder mancher Ingenieurwissenschaften zu äussern, da ich dort tatsächlich auch nicht mehr als den 'gesunden Menschenverstand' vorweisen kann.
Klimawandel ?
- Von: nstehlik
- , 30. Oktober 2007,
- 00:11
Welches Klima hättens den gern?
Das letztjährige, das vor zehn Jahren oder vor tausend Jahren?
Das Klima wandelt sich stätig!
Re: Klimawandel?
- Von: Matthias Kestenholz
- , 30. Oktober 2007,
- 00:30
Mir ist es ziemlich egal, ob es das Klima vom letzten Jahr oder dasjenige vor 1000 Jahren ist. Was mir hingegen nicht egal ist, ist das Klima _in_ 10 oder 100 Jahren. Denn da muss man einiges weiter zurückgehen als 1000 Jahre, um ähnliche Zustände zu finden. Und nein, das ist nicht Magie oder Astrologie. Das Vorsorgeprinzip gebietet es, die Forschung ernst zu nehmen.
Zudem wurde damit noch nichts über die _Geschwindigkeit_ der Veränderung gesagt, ein anderes Thema, welches vielleicht noch wichtiger ist als der Zustand selbst. Aber bei Ihrem Kommentarstil erwarte ich nicht, mit Ihnen eine fundierte Diskussion über diese Themen führen zu können.
So ähnlich...
- Von: M.M.
- , 30. Oktober 2007,
- 09:26
...verlief die Diskussion nach dem Vortrag von Herrn Maxeiner. Das ist inzwischen alles eine Glaubenssache. Und eine Frage, wer seine Zukunftsängste wohin projiziert.
Und, keine Frage, inzwischen ist da so viel Geld in den Wetterkreislauf gepumpt worden - nicht nur in Institute und Forschungsprogramme, sondern auch von Energie- und Versicherungsgesellschaften zum Beispiel - da wird die Maschinerie noch eine gute Weile geschmiert so weiterlaufen.
Ehrlichweise muss ich gestehen, dass mich ganz andere Entwicklungen auf diesem Planeten beunruhigen als das Wetter, pardon, das Klima.
Aber abgesehen davon: Wir werden es erleben, dass das Thema künftig auch innerhalb der sogenannten Experten noch sehr kontrovers diskutiert wird.
Interessant finde ich ja das hochgelobte Wahlergebnis der Grünen. Gemessen an der Hysterie der letzten Monate und angesichts der schmelzenden Gletscher ist das Ergebnis wohl etwas dürftig ausgefallen. Nicht mal 10% erreicht.
Die Leute scheinen sich offensichtlich mehr durch kriminelle Ausländer bedroht zu fühlen als durch einen Temperaturanstieg von ein, zwei Grad.
Re: So ähnlich...
- Von: Matthias Kestenholz
- , 30. Oktober 2007,
- 11:47
'Die Leute' sind auch nicht gerade bekannt dafür, frühzeitig (dann, wenn es weniger weh tut) zu handeln. Das Klimaproblem ist sicher nicht das einzige Problem -- aber das ändert nichts daran, dass es auch eines ist. Stern meint, dass Handeln nicht nur kostet, sondern uns auch direkten Nutzen bringt. Ich glaube auch nicht, dass die zu erwartenden Klimaflüchtlinge das 'Ausländerproblem' (welches laut BR B. in der Schweiz wesentlich kleiner ist als anderswo) lösen werden.
Aber wer meint, dass die Klimaerwärmungslobby nur Forschungsgelder für sich selbst abholen will, lässt sich natürlich nicht von neuen Erkenntnissen beirren und bleibt liberal äh eigenständig abseits vom Mainstream.
Re: So ähnlich...
- Von: bd
- , 30. Oktober 2007,
- 11:39
Korrekt. Der Klimawandel ist eine Projekt menschlicher Urängsten, wohin das Versagen und gleichsam Unbehagen gelenkt wird, angesichts der hyperventilierenden, nervösen, kitzelnden und undurchschaubaren «Realität» wohl keine Verwunderung.
Re: Re: So ähnlich...
- Von: bd
- , 30. Oktober 2007,
- 11:40
Anstatt Projekt bitte Projektion lesen, war möglicherweise ein Freudischer.
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Manfred Messmer ist seit 1986 Berater für strategische Kommunikation und war zuvor während zwölf Jahren als Journalist tätig.
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Ich kann es natürlich nicht sein lassen...
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1. Nein, es ist nicht Kohlendioxid sondern die Sonnenenergie, welche den planetarischen Wasserkreislauf in Schwung bringt.
2. Die globale Durchschnittstemperatur ist abhängig von der Konzentration der Treibhausgase. Allen Klimaforschern ist der Unterschied zwischen lokalem und globalem Klima bekannt, im Unterschied zu gewissen Kommentatoren. Die globale Durchschnittstemperatur existiert als Durchschnitt der globalen Temperatur, das ist genug.
3. Und wieviele Fahrradbirnen gibt das? Richtig, ziemlich viele. Es ist eben keine beeindruckende, lokal sofort spürbare Änderung, aber deshalb nicht eine weniger sichere.
4. Wegen den Eisbären: Wie war das schon wieder mit dem schmelzenden Polareis? Bestreitet Maxeiner dies etwa? Vielleicht geht es dem Eisbären aktuell schon besser, aber schlussendlich geht es nicht um die Eisbären, sondern um die Menschen, welche in den küstennahen Regionen wohnen. Auch wenn es den Eisbären jetzt besser geht, wird sich dies ändern, wenn das Polareis verschwunden ist.
5. Mit dem letzten Punkt hat Maxeiner leider recht.