Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten

Gigantisches Wahlkomplott

Das ist ja wieder eine Aufregung in diesem Land. Man könnte meinen, es sei Wahlkampf. Weit gefehlt. In der Schweiz gibt es  keinen Wahlkampf. Die Schweizer haben keine Ahnung, was das eigentlich ist.

Denn in der Schweiz steht das Ergebnis immer schon vor dem Wahlgang fest: Die neue Regierung wird die alte sein. Die Gewinne und Verluste der vielen Parteien halten sich im Kleinstprozentbereich. 0,2 Prozent plus bedeuten einen Erdrutschsieg. Die Schweizer lieben den Diminutiv.

Da kann man sich schon fragen, weshalb man überhaupt noch Wahlen durchführt. Man könnte sich doch einfach untereinander absprechen, wurde beispielsweise von den Fraktionschefs letzten Sommer in Flims in vorgerückter Stunde bei Bergkäse und reichlich Fendant gefeixt.

Weil man jedoch einen Aufstand der parteiunabhängigen Mehrheit des Volkes befürchtete, einigte man sich anderntags auf das Unternehmen „Scheinkampf“.

So sind denn die Wahlen`07 von den Parteien in allen Details geplant worden. Ein heute auftauchtes Strategiepapier, man findet das Original unter dem Stichwort "Geheimplan" bei Google Bilder, zeigt in aller Deutlichkeit: Die Wahlen '07 sind ein grosser Schwindel. 

Der Geheimplan

Geheimplan der Parteien Geheimplan der Parteien, Typ K

Die vereinigte politische Nationale – von äusserst links bis gegenüberliegend rechts -  hat sich schon im März dieses Jahres nach mehreren konspirativen Treffs darauf geeinigt, den bevorstehenden Wahlkampf eng aufeinander abzustimmen.

"Keine politische Themen diesmal!“ Auf diese Kurzformel einigten sich die Parteien. Denn man war sich so einig wie noch nie zuvor, dass keine Partei ernsthaft daran interessiert sein könne, an den bestehenden Machtverhältnissen etwas zu verändern.

Selbst die SVP, die zunächst ausscheren wollte, sah ein, dass ein oder zwei Prozent Stimmenzuwachs der Partei überhaupt nichts bringt. Und ob die CVP 0.5 Prozent zulegt und die FDP um 0,5 Prozent einbricht, was soll’s.

Einzig die Grünen zierten sich bis in den April hinein. Der ungewöhnlich warme Frühling wiegte sie in der Illusion, mehr als drei Prozentpunkte im Herbst dazu gewinnen zu können. Weil die mittelfristige Prognose einen verregneten Sommer zeigte, knickten sie schliesslich ein.

Ausschlaggebend für den Schulterschluss der Parteien gegen das Volk war übrigens eine Präsentation von Claude Longchamp, in der er bereits sämtliche Umfrageergebnisse der nächsten Monate detailliert auflistete. Auch hier konnten die Parteien noch ihre Wünsche anbringen, wobei Longchamp dafür besorgt war, dass nicht allzu dick aufgetragen wurde.

Schliesslich verständigte man sich darauf, dass Herr Blocher Dreh und Angelpunkt des Wahlkampfs werden soll. Man war sich einig, dass nur er Garant dafür ist, dass nicht über Politik sondern über Glanz und Gloria geredet wird.

Seither läuft alles nach Drehbuch. Von Zottel über Hopp Sviz bis zum Atom-Plakat, nicht zu vergessen die eBay-Auktion der CVP – nichts als Polittheater.

Die letzte Stufe der grössten Vernebelungsaktion aller Zeiten wurde nun gestern von Frau Meier-Schatz gezündet: Die Hollenweger-Papiere.

Und in der Tat: Es ist den Parteien bis jetzt gelungen, den Wahlkampf`07 ohne auch nur ein einziges politisches Thema zu bestreiten. Eine wirklich starke Leistung, das muss man anerkennen.

Die einzige Panne im Abspuhlen des ausgeklügelten Drehbuchs mit Plakaten, Videos, Pressekonferenzen, Interviews und jeder Menge Empörung passierte ausgerechnet in Basel.

Die welschen Liberalen hatten es unterlassen, ihre Gschpönli in Basel über die Wahlkampffarce einzuweihen.

So stürzte sich die nichts ahnende LDP-Präsidentin, ernsthaft und zielgerichtet, wie es nun mal ihre Art ist, in den Wahlkampf. Und brachte damit die Präsidenten der CVP, der FDP und der SVP mächtig ins Schwitzen - wegen der harschen Reaktion aus den Berner Zentralen.

Als man einsehen musste, dass die LDP-Präsidentin nicht mehr zu stoppen war und um das Komplott der Parteien nicht auffliegen zu lassen, wurden den Basler Parteipräsidenten jeglicher Kontakt mit der LDP-Präsidentin bis nach den Wahlen untersagt.

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Re: Gigantisches Wahlkomplott

  • Von: claude longchamp
  • , 07. September 2007,
  • 23:45

M.M. sie haben schlecht recherchiert.
Hollenweger schreibt man Holenweger.
Solche Kleinigkeiten verraten, ob man mit der Sache vertraut ist oder nicht.
Auch sonst stimmt nicht alles in ihrem Beitrag.
Grüsse
Claude Longchamp

shit

  • Von: M.M.
  • , 08. September 2007,
  • 09:24

Sie haben mich ertappt ;-)

Les urnes sont pleines avant les élections?

Astérix en Corse (Dargaud éditeur, p. 25)
http://www.mage.fst.uh... />

Nein,

  • Von: M.M.
  • , 07. September 2007,
  • 14:18

natürlich nicht. Das Irre an der Sache ist, dass die Leute mitmachen und tatsächlich hingehen, respektive heute via Post, die "Urnen" selbst füllen, um das Ergebnis zu erreichen, mit dem schon zum vornherein zu rechnen war.

Wahlen in der Schweiz sind so eine Art Self-fulfilling Prophecy, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Si j'étais Obélix, je dirais

Ils sont fous ces Suisses: d'abord ils vont aus urnes pour élire n'importe qui, et après les élections ils ont besoin du référendum pour réparer les conneries de leurs élus...

Politik verstehen

  • Von: Carla
  • , 07. September 2007,
  • 10:55

Super! Jetzt verstehe ich, was politisch tatsächlich läuft. Was mich aber beängstigt: Ich bin mir nach der zweimaligen Lektüre überhaupt mehr sicher, ob Sie nicht völlig richtig liegen.

Ins Schwarze getroffen

  • Von: Liberelle
  • , 07. September 2007,
  • 10:32

M.M., mit diesem Artikel haben Sie präzis mitten ins Schwarze getroffen. Ich wünsche ihm viele Leserinnen und Leser.

Re: Gigantisches Wahlkomplott

  • Von: Corti
  • , 07. September 2007,
  • 09:30

Jetzt ist mir alles klar geworden. Danke für die hervorragende Recherche. Wann ist mit einer Pressekonferenz zu rechnen?

Hab ich ein Glück, dass

  • Von: Eisbär
  • , 06. September 2007,
  • 22:39

ich urlaubsmässig vom Nordpol immer nach Basel reise, und nicht nach Bern oder Zürich.

Bumm.

  • Von: Goggi
  • , 06. September 2007,
  • 22:37

Dein Wandeln durch die politische Wandelhalle ist sehr interessant. Ein Glück können wir uns über solche "Nebensächlichkeiten" amüsieren, sonst müssten wir uns noch ernsthaft Gedanken darüber machen, wen wir wählen wollen.
Ich erlaube mir einen Link auf Deinen Artikel zu setzen, habe da einen ähnlich resignierten Bericht geschrieben :-)

http://goggiblog.blogs...

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