Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten

Gebührensplitting für lokale Online-News

Wir machen uns hier ja ernsthaft Sorgen über die Zukunft der Printmedien. Verbunden mit einer gewissen Skepsis, ob sie denn eine solche haben werden. Die Lektüre von vier Tageszeitungen heute Morgen brachte zwar drei, vier interessante Informationen, aber der ganze Rest ist irgendwie für die Füchse. 

Dabei sind es nicht nur die Aus- und Inlandmeldungen, die ich allesamt gestern schon online gelesen habe, sondern auch der Lokalteil. Zwar wird gesagt, dort liege die Zukunft der Regionalzeitung. Das Problem ist jedoch, dass so ein Blatt einfach eine zu grosse geografische Region abdecken will und mich es in der Tat nicht interessiert, was der Gemeinderat in Hinterbumpel gestern beschlossen hat. Und wenn etwas über das Speckgürtel-Kaff Arlesheim in den Lokalblättern steht, dann wissen wir das bereits oder haben es beim Bloggerkollegen Dometown Arlesheim gelesen. Kurz - Nachrichten allein und nur auf Papier genügen nicht mehr.

Wie schlimm es um die Tagespresse steht, wird das geneigte Publikum voraussichtlich schon im Herbst erfahren, dann nämlich, wenn es sich abzeichnet, dass die Durststrecke länger dauern wird, als ursprünglich gehofft.

Hoffnung ist in den USA erwacht, als Amazon letzte Woche seinen neuen Kindle vorstellte. Das Ding weisst ein grösseres Format auf, sodass es auch fürs Lesen einer Tageszeitung wie beispielsweise die New York Times taugt. Die will denn auch mit Amazon ins Geschäft kommen. Die Leser müssen sich das Gerät selbst beschaffen, damit die Verlage sich die sauteuren Zustellkosten sparen können.

Allerdings muss man auch das Kleingedruckte lesen: Amazon reklamiert sage und schreibe 70% der Abo-Einnahmen für sich. Und schon ist fertig lustig.

Zeigen wir aber doch noch einen gangbaren Weg auf, wie beispielsweise in Basel die Online-Ausgabe der Lokalzeitung finanziert werden könnte. Die Sache verhält sich so, dass jeder Kabelnetznutzer eine monatliche Zwangsabgabe an den Lokal-TV-Kanal TeleBasel abführen muss. Dies war seinerzeit als Beitrag zur Medienvielfalt gedacht. Der Sender ist ausschliesslich über Kabel empfangbar. 

Löst man sich mal für kurze Zeit vom Gedanken, hier werde ein Fernsehsender subventioniert, sondern sagt ganz allgemein: Hier wird das redaktionelle Angebot, das ausschliesslich übers Kabelnetz zu empfangen ist, unterstützt, dann gibt es keinen Grund, weshalb nicht andere lokale Anbieter von Kabelnetznachrichten, wie beispielsweise bazonline nicht ebenfalls von diesen Zwangsgebühren profitieren sollen, Stichwort Gebührensplitting.

An dieser Fragestellung führt kein Weg vorbei, zumal man im Sinne eines Präzendenzfalles TeleBasel einen Millionenbeitrag aus dem exklusiven SRG-Topf zugestanden hat. Spätestens im Herbst kann das zu einem Thema werden. Vielleicht auch schon im Juli, wenn die Basler Zeitung Medien ihre Geschäftszahlen auf den Tisch legen.

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