Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten
Kontrapunkt
Von M. M., 02. November 2008 – 11:50:00
Wenn alle Sonntagsmedien den Sieg des Herrn Obama beschwören, wollen wir hier nochmals einen Kontrapunkt setzen. Sind wir ja unseren Lesern schuldig. Auch dem Journalisten der SonntagsZeitung, der schreibt, Blogger seien deshalb langweilig, weil sie sich alle immer mit denselben Themen befassen würden. Wie die Medien halt auch (Gähn).
Wir bleiben also dabei: Der 44. Präsident der USA könnte auch John McCain heissen. Auch wenn alle Umfrageergebnisse und die Schweizer Medien ein anderes Endresultat vorhersagen. Aktuell 49,5% Obama, 43,8 McCain. (RCP-Polls: 50,4% zu 43,6%)
Erstaunlich ist, dass es Herrn Obama trotz einem inzwischen einjährigen Wahlkampf und 600 Mio. USD(!) an Wahlkampfgeldern und trotz halbstündigem Infomercial (mit amerikanischem Sniff-Thrill) nicht gelingt, die 50%-Marke solide zu überspringen, dass er die offensichtlichen Schwächen in McCains Wahlkampf nicht in eine gefestigte Mehrheit umsetzen kann.
Man kann also die Umfragewerte auch so interpretieren, dass es einen soliden 50% Block gibt, der sich auch nach Monaten intensiven Wahlkampfs, von den Argumenten des Senators aus Illinois nicht überzeugen liess.
Diese Konstanz ist insofern interessant, dass seit vergangener Woche jetzt neu Meinungen von Wählern in die Umfrageergebnisse einfliessen, die ihre Stimme bereits abgegeben haben.
Gemäss der Zogby-Umfrage, die täglich erhoben wird (per Telefon mit immer gleich viel Befragten), liegt zudem der 5,7% Vorsprung des Demokraten hart an der Grenze der statistischen Fehlerquote.
Eine Umfrage(!) von Associated Press von Samstag bringt das Ergebnis, dass vier Tage vor der Wahl erstaunliche 14% der Wähler noch unentschlossen sind (da es die Amerikaner immer ein wenig gross mögen, liegt bei denen die Summe über 100%). Zogby weist demgegenüber 6,7% Unentschlossene aus. Die Unschlüssigen werden in der Kabine wohl eher McCain als dem Demokraten zuneigen.
Sagen wir es so: Am Dienstag, findet bei diesen für jeden Amerikaner "once in a lifetime-Wahlen" weniger eine Wahl zwischen dem Republikaner und dem Demokraten statt, als wohl eher ein Referendum über den Wahlkämpfer Obama.
Herr Zettel ist wie immer völlig anderer Meinung.
- 4.0
- | Kategorie: US-Wahlen '08
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Kommentare
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Eigentlich müsste Obama gewinnen ...
- Von: rumpelstilzchen
- , 02. November 2008,
- 18:43
... weil noch nie so viele Afroamerikaner stimmen gingen. Andrerseits kommt es natürlich darauf an, wie die Wahlmaschinen programmiert worden sind. Falls der greise McCain gewinnen sollte, wäre der Wahlbetrug offensichtlich. Die Scheindemokratie ist in den USA bekanntlich weiter entwickelt als bei uns.
Re: Eigentlich müsste Obama gewinnen ...
- Von: M.M.
- , 02. November 2008,
- 19:08
Ich hoffe ja auch, dass Herr Obama gewinnt. Dann verlieren die Linken in Europa und ein paar andere dazu ihr Feindbild USA, also so 86% der Schweizer http://www.bazonline.c...
Zumindest für die nächsten drei Monate nach der Wahl.
Wie wär's? :)
- Von: Zettel
- , 02. November 2008,
- 19:22
Lieber M.M.,
wie wäre es mit einer kleinen Wette? Wenn Sie Recht haben und McCain gewinnt, dann schreiben Sie demnächst wieder einmal einen so schönen Gastkommentar in ZR wie damals diesen:
http://zettelsraum.blo...
Und wenn Obama gewinnt, dann dürfen Sie sich von mir etwas Vergleichbares wünschen. Mit ExtraBonus, falls das Ergebnis auch numerisch so ist, wie ich es vorhersage?
Herzlich, Zettel
Hier muss man ja auch anderer Meinung sein...
- Von: Andreas Kyriacou
- , 02. November 2008,
- 17:04
... ganz nüchtern aus wahlarithmetischen Gründen. Das Wahlmännersystem lässt Obama den Sieg auch dann noch locker davon tragen, wenn sein Vorsprung tatsächlich national auf wenige Prozente zusammenschrumpft.
Hier eine aktuelle Simulation von fivethirtyeight.com mit der wahrscheinlichen Verteilung der Delegiertenstimmen auf die beiden kandidaten:
http://4.bp.blogspot.c... />
Gegen Mathematik anzurennen, ist wohl nicht das beste Mittel, um seinen Blog über die öde Masse zu stellen...
Mathematik; Basis nicht wirklich Bekanntem?
- Von: Frage
- , 02. November 2008,
- 17:30
Gschpässige Sache. Bis Mittwoch morgen bleibt Alles Spekulation. Nicht anders, als die nicht wirklich Glück bringenden Bank-Derivate.
Re: Mathematik; Basis nicht wirklich Bekanntem?
- Von: Andreas Kyriacou
- , 02. November 2008,
- 18:03
Nun, das Bild alleine ist vielleicht nicht allzu erhellend. Die aktuellste Einschätzung der Ausgangslage von 538 steht hier:
http://www.fivethirtye... />
Auch zu empfehlen:
http://www.electoral-v... />
Die statistischen Analysen obiger Sites kommen wohl deutlich weniger durch Bauchgefühle und persönlichen Interesse zu Stande als Tipps von Vermögensverwaltern.
Re: Re: Mathematik; Basis nicht wirklich Bekanntem?
- Von: Antwort.
- , 02. November 2008,
- 18:15
Bis am Mittwoch, 08.00h. Freundlichst.
Radikaler, totaler Wandel in den simpel-konservativen USA?
- Von: Agon.
- , 02. November 2008,
- 13:58
Was Schweizer, Europäer in dieser Sache meinen, entspricht zum Einen der charismatischen Erscheinung, dem moderaten Ton und den "europräisch" sozial-demokratischen Inhalten Obamas. Sein Programm, in Zeiten des faktischen (auch die - dort hingegen grossmehrheitlich irrelevante - Aussenpolitik betreffenden) Staats-und Privathaushalte-Bankrottes müsste, nach den nationalistischen Bürger-Entrechtungserfahrungen unter einem Mc Cain, in zentralen sicherhheitspolitischen Aspekten, zum Verwechseln ähnlichen GWB an sich klar zu einem landslide der Demokraten, inklusive Obama führen. Die Wahlen betreffen aber eben mehrere Ebenen. Konkret geht es um die Mehrheit im Kongress, im Senat und um die Macht im Weissen Haus. Würde nach denselben Massstäben gewählt, wie anno 2004, so erzielten die Demkraten meiner Ansicht nach einen historischen, integralen, totalen Sieg.
Ob der, anno 2004 in der Art der hiesigen SVP-Wähler stimmende, Souverän zum Andern jedoch in der Tat bereit also in der Lage ist, seine eklatanten, ausserordentlich gravierenden Fehlentscheidungen von 2000 und 2004 derart hemmungslos einzugestehen, dass er nun ergo fast total in die andere Richtung votierte? Daran habe ich meine Zweifel. Nicht untersätzen sollte man die, anno 2000 und vor allem anno 2004 ausschlaggebende, Relevanz des sich anlässlich von Präsidialwahlen artikulierenden latenten US-Minderwertigkeitskomlexes. Darin kulminierend, dass man doch jene Person wählt, die glaubhaft macht, die nachwievor gegebene rein quantitative Macht der USA dazu zu nutzen, global zu bestimmen.
Obwohl Obama auch diese, krass nationalistischen Instinkte in den Ansprachen mittels der recht regelmässigen Hinterfragung der objektiven Richtikgeit, also der Gerechtigkeit, des im Kern politisch bedingungslosen globalen Freihandels adressiert. sollte eben auch nicht vergessen gehen, dass in den USA eine tiefe Aversion gegen jede Art von staatlichem Regulieren weit vertreitet ist. Dies und die Tatsache, dass Obana klar einer ethnischen Minderheit zugeordnet wird, macht die an sich klare Sache ziemlich unklar.
Wie erwähnt, hoffe ich auf einen Sieg Obamas. Auf einen Sieg der politisch grössestmöglich unbefangenen, handlungsfähigen jungen Generation. Auf einen Sieg intellektuellen Qualität in Verbindung mit einergenuin sozialen Ader. Daran glauben werde ich eventuell wieder am Mittwoch morgen, erstmals seit der Ermordung von RFK, anno 1968. Und gesprägt von dieser, in jungen Jahren gemachten, sehr schmerzlichen Erfahrung, dass grössestmögliche Gerechtigkeit und also auch grössestmögliche Freiheit stets immensen Gefahren ausgesetzt ist. Denn die "Freiheit inhärente Unberechenbarkeit" ist schlicht für zu Viele, potentiell "unerträglich destabilisierend" ...
Re: Radikaler, totaler Wandel in den simpel-konservativen USA?
- Von: M.M.
- , 02. November 2008,
- 14:05
JFK wurde im November 1963 ermordet. Hockten tagelang vor der Glotze.
Re: Re: Radikaler, totaler Wandel in den simpel-konservativen USA?
- Von: Agon.
- , 02. November 2008,
- 14:11
Lieber, geschätzter, werter Double M. Meine Lebenspartnerin ist am 22.11. geboren. Damals hockte ich aber noch nicht vor der 'Glotze'. Mich prägte - und das erlaube ich mir zu erwähnen - die Repetition der Ermordung JFKs. 5 Jahre später, in der Person seines Bruders und Justizministers: Robert F. Kennedy.
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Manfred Messmer ist seit 1986 Berater für strategische Kommunikation und war zuvor während zwölf Jahren als Journalist tätig.
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Investiert in erneuerbare Energien. Nach der Wahl von
Obaham wird die US Regierung zahlreiche Beschlüsse fassen, die dise Energien auf breier Front fördern werden. Das ergibt dann einen weigtere Sog (nach dem Cool-down der Finanzkrise, und dem Gear-up der Wirtschaft) in und ausserhalb der USA, für solche Energien.
Macht es wie der reichste Mann der Welt - W.B. - und investiert jetzt. (Artikel im Magazin - Baz Beilage von Samstag - und auch Beilage von der NZZ oder Tagesanzeiger lohnt sich - W.B. ist der Beste, und man wäre dumm - nicht die selben Taktien anzuwenden, wie er).
Was? Ihr fragt Euch noch, ob nicht doch diese MCDonald oder so Präsident wird? Zeitvergeudung: sofort ins e-banking und investieren!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!... />