Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten
Mehr Chaosbewusstsein fürs politische Handeln
Von M. M., 20. Dezember 2009 – 10:20:00
Das eigentliche Problem mit den Politikern ist, dass sie die letzten Kausalitätsgläubigen sind. Neben den Anhängern richtiger Religionen.
Was heissen will, dass sie die Welt als Abfolge aufeinander bezogener Abläufe begreifen, hier Ursache dort Wirkung.
Doch die Welt ist kein Uhrwerk.
Man muss für diese Art der Welterklärung ein gewisses Verständnis aufbringen. Denn nur unter dieser Prämisse kann überhaupt politisch gehandelt, können politische Entscheide gefällt werden.
Sinn der Politik ist, stets solche Entscheidungen zu fällen, welche eine konkrete Machbarkeit zulassen.
Nur so ist zu verstehen, dass intelligente Menschen nach Kopenhagen fahren/fliegen mit der Absicht, den CO2-Ausstoss um zwanzig Prozent zu reduzieren, um damit die Klimaerwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.
Wenn wir die gefühlsduselige Weltuntergangsstimmung mal weglassen, dann ist das "Verhandlungsergebnis" von Kopenhagen insofern ein im Wortsinn realitätsbezogenes Ergebnis, als eine Momentaufnahme eines chaotischen Systems zeigt.
Und das ist, mit Verlaub, faszinierend.
Wenn wir heute im "Sonntag" lesen, dass Frau Lachenmeier, ein Basler Quartierpolitikerin (Grüne) und heute Nationalrätin, die Einführung des Roadpricing fordert und die Einnahmen für Klimaschutzeinnahmen in Entwicklungsländern einsetzen will, um damit die Welt zu retten, dann haben wir es nicht mit einem bedenkenswerten politischen Vorstoss zu tun, sondern mit der naiven Weltsicht einer Kausalitätsgläubigen. Einer Quartierpolitikerin eben.
Kausalitätsgläubige finden sich in allen Parteien.
Politische Systeme sind dynamische Systeme. Interessant wäre demnach, wenn chaostheoretische Erklärungen und Modelle in politische Überlegungen einbezogen würden.
Das Roadpricing, das durchaus diskussionswürdig ist, wäre ein interessantes Thema, um mal neue Lösungsfindungsansätze auszuprobieren.
Für was hat man eigentlich all die Hochleistungscomputer in den Hochschulen? Mit denen und ein paar Experten liessen sich verschiedene Modelle rechnen - aufgrund unterschiedlicher Parameter (divergierender politischer Fragestellungen).
Die Resultate der Modellrechnungen werden auf anschaulichen Ergebnislandkarten dargestellt. Sodass selbst ich begreife, von was eigentlich die Rede ist.
Dann erst beginnt der Entscheidungsprozes.
Dann hätte man zumindest eine vertiefte Ahnung davon, was dieser Schmetterlingsschlag im Coop im Bündnerischen Panin auslösen würde.
Dann würden nicht dauernd politische Beta-Vesionen in Umlauf gesetzt, wo anschliessend die User über Jahre hinweg mit den Verbesserungen der Programme beschäftigt werden.
Das Beispiel von Frau Lachenmeier zeigt die Schwachstelle der heutigen Politik auf: Sie agiert noch immer wie zur Zeit des Dampfrosses.
- 5.0
- | Kategorie: Politik
Kommentare
Kommentare als RSS-Feed
Einspruch!
- Von: mds
- , 20. Dezember 2009,
- 13:25
Road Pricing diskussionswürdig? Wir haben längst Road Pricing über den Benzinpreis.
Mehr Chaosbewusstsein, aber die Forderung nach Modellrechnungen auf Supercomputern? Darin liegt doch genau ein Hauptproblem: Man glaubt tatsächlich, die Zukunft zuverlässig vorhersagen zu können.
Re: Einspruch!
- Von: M.M.
- , 20. Dezember 2009,
- 14:02
Mit Modellrechnungen kommt man zumindest zu präziseren Anhäherungen an die möglichen Auswirkungen eines Entscheids als mit dem Bauch.
Bei Modellrechnungen handelt es sich um bewährte Methoden. Übliche Methoden.
Was das Roadpricing anbelangt, so muss man diese Diskussion halt ohne Gefühlduseleien führen. Grundsätzlich gilt, dass man über alles diskutieren kann.
Man braucht einfach ein paar gute Entscheidungsgrundlagen. Zum Beispiel, welche Auswirkungen das Roadprizing auf die Büromieten in Zürich-Oerlikon hat.
Mobilitätsprizing
- Von: albi
- , 20. Dezember 2009,
- 15:10
Wenn schon, dann konsequent und nicht nur roadprizing, sondern Mobilität grundsätzlich den üblichen Marktkriterien wie Angebot und Nachfrage unterwerfen inkl. Kostenwahrheit. Das würde aber auch den Einbezug des öffentlichen Verkehrs erfordern, weil andernfalls unerwünschte Umsteigeeffekte (ja auch der öffentliche Verkehr krankt an einer in Spitzenzeiten unzureichenden Kapazität) entstünden. Konsequent wäre dann aber ebenfalls, dass die bisherigen Steuer- und Abgabesysteme die Mobilität betreffend abgeschafft bzw. ersetzt würden. Dies zu beurteilen erfordert in der Tat komplexe Modellberechnungen. Nebenbei: Der Gedanke, Fahrzeuge aufgrund ihrer ECE-Verbrauchserte zu besteuern ist auch nicht durchdacht; Die Fahrweise ist durchaus auch entscheidend. Beispiel: Mit einem meiner Fahrzeuge verbrauche ich ca. 0.5lit mehr als der ECE-Normwert, mit dem anderen 3.1lit. weniger.
Unterdrückung durch CO2-Politik
- Von: Peter Gysin
- , 20. Dezember 2009,
- 11:37
Die 2 Grad, welche global gesenkt werden sollen, geben den Politikern und den Regierungen weltweit die Grundlage, die Bevölkerung mit Steuern, Verboten und anderen Schikanen wie Roadpricing zu verärgern. Unterdrückung durch CO2-Politik!
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Wenn ich Roadpricing lese, sehe ich Rot im sonst im Ansatz vernünftigen Text.
Wir haben ja schon ix Steuern und Abgaben und Quersubventionen (zugunsten ÖV), mehr braucht es wirklich nicht, eher weniger.
Und denken Sie ja nicht eine alte Steuer würde bei der Einführung einer Neuen abgeschafft. So schlau sollten wir mittlerweile schon sein.