Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten
Basler Regierungspräsident fühlt sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt
Von M. M., 10. Oktober 2009 – 16:22:00
Wir müssen doch nochmals auf diese leidige Plakatgeschichte zurückkommen. Heute war Herr Morin, der Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt, bei der Samstagsrundschau. Und hat geredet. Und hat diesen interessanten Satz gesagt:
Dieses Plakat hat auch meine ganz persönlichen religösen Gefühle verletzt.
Die Meinungsäusserungsfreiheit müsse dort enden, wo (solche) Gefühle verletzt werden. Wir gestehen Herrn Morin zu, dass er in seinen religiösen Gefühlen verletzt sein darf. Aber das ist seine private Angelegenheit und völlig uninteressant.
Wenn "verletzte religiöse Gefühle" zu einem ernsthaften Kriterum zur Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit werden, na dann gute Nacht.
Denn dieser Satz lässt doch aufhorchen, den Satz kennen wir. Den haben wir damals gehört bei den Mohamed-Karrikaturen. Den haben wir auch schon im Zusammenhang mit dem Krippenspiel in der Primarschule gehört.
Vielleicht muss man Herrn Morins Geschichtswissen etwas auffrischen: 1959 wurde in Basel ein Bild des Basler Malers Kurt Fahrner beschlagnahmt, auf der er eine nackte gekreuzigte Frau dargestellt hatte. Er hatte das Bild als politische Aktion auf dem Barfüsserplatz gezeigt (vor der Barfüsserkirche).
Das Argument der Staatsanwaltschaft: Verletzung religiöser Gefühle, zudem sei die Darstellung pornografisch, also alles in allem lächerliche Argumente. Das Bild wurde erst 1980 nach dem Tod des Maler freigegeben.
PS: Herr Morin ist Mitglied der evangelischen Kirche und gemäss eigener Aussage ein "religiöser Sozialist".
- 6.0
- | Kategorie: Politik
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Manfred Messmer ist seit 1986 Berater für strategische Kommunikation und war zuvor während zwölf Jahren als Journalist tätig.
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discriminition is in the eye of the beholder
Herr Morin sei erinnert am 10. Juni 2001. Damals würde abgestimmt über den Bistumsartikel. Seine Kirche beschloss Stimmfreigabe (weil ein Nein nicht zu vertreten war), sein Partei konnte sich mit nur 55% der Delegierten gegen ein Nein entscheiden.
Kein Aufschrei von Herr Morin. Kein Gerede über Religionskrieg. Wenn es nicht um geliebte Minderheiten geht, discriminiert man Gerne.