Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten

Nieder mit den Minaretten

Irgendwann in allernächste Zukunft müssen wir uns ja mit dieser Minarett-Initiative der SVP auseinandersetzen. Die 100'000 Unterschriften müssen bis spätestens 1. November 2008 eingereicht worden sein. Es steht wohl ausser Frage, dass die Unterschriften für das "Nieder-mit-den-Minaretten-Volksbegehren" locker beigebracht werden.

Und dann geht die Diskussion los. Für und Wider Minarette, die Islamisten, das Kopftuch in den Schulen und das Kreuz an der Wand und wie hoch denn so ein Minarett sein dürfe und ob man es zulassen könne, dass es einen Kirchturm überrage und überhaupt der Untergang des Abendlandes und das Miteinander der Kulturen sowie, nicht zu vergessen, die Integration von Menschen mit Emigrationshintergrund. 

Oh Gott - wie kann man sich eigentlich als Säkularisierter einen solchen Diskussion entziehen? Was soll man sagen, wenn man grundsätzlich gegen den zu Turm und Minarett gewordenen Machtanspruch aller Religionen ist? 

Denn genau in diesem Machtanspruch werden sich die evref. und die römkath. Kirchen mit den Muslimen verbünden: Ich gestatte dir deinen, wenn du mir meinen.

Kürzlich beim Zappen während des Kochens blieb ich an der Sonntagsblick-Diskussion mit Frank A. Meyer hängen.  Es ging um die Renaissance des Glaubens. Drei waren sich einig und einer hielt vehement dagegen.

Der Opponent war Beda M. Stadler, Professor für Immunologie in Bern und regelmässiger Kolumnist der NZZ am Sonntag. Er hat mir mit seinem Ansatz aus der drohenden Verlegenheit geholfen. Vor ein paar Wochen hat er ihn in seiner Kolumne eingehender erläutert, als dies beim Sekunden-Hick-Hack im Studio möglich war. 

Herr Stadler ist im Prinzip nicht gegen den Bau von Türmen. Er will die Minarett-Frage anders angegangen wissen, nämlich mit einer Änderung der Verfassung:

Man sollte die Präambel unserer Bundesverfassung («Im Namen Gottes des Allmächtigen! Das Schweizervolk und die Kantone, in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung...») ändern in: «Im Namen des Humanismus! Das Schweizervolk und die Kantone, in der Verantwortung gegenüber der Evolution...», dies zur Verhinderung unnötiger Konflikte.

Denn die gültige Verfassung, so Stadler, "gibt einigen Turmbauern einen unlauteren Vorteil."

Unsere Verfassung soll nicht das Turmbauen an und für sich verbieten, sondern weiterhin dies allen Interessengruppen zugestehen, die ihren Turmbau philosophisch, künstlerisch und wissenschaftlich rechtfertigen können. Wer allerdings behauptet, unfehlbar zu sein, sollte keinen Turm kriegen. Die Wissenschaft macht ständig Fehler, aber sie ist wenigstens bereit aus ihren Fehlern zu lernen. Somit können Roche und die Banken weiterhin architektonisch gegen Himmel wachsen. 

So und damit hätten wir die Grundlage für die kommende Diskussion gelegt. (Weshalb kandidieren eigentlich Leute wie Herr Stadler nicht für den Nationalrat. Den würde ich sofort wählen.) 

Kommentare RSS: title= Kommentare als RSS-Feed

Türme

  • Von: Thommen
  • , 23. September 2007,
  • 00:37

Es gibt übrigens auch Türme des Kapitals und der Wirtschaft!! Und der Markt scheint ebenso unfehlbar wie die Religionen!!

Misleading title - right conclusion

The title "down with minarets" is misleading. It sounds like an encouragement for the upcoming clash between the two subcultures of the Brown Bears and the Grey Wolves (cf. my text on minarets on "more questions than answers" some months ago, conflict that probably occupy the frontlines of our media for the next few years and might eventually - if reason is completely abandoned in this country - lead to civil war.

However, I fully support Beda Stadler's initiative, with one exception: instead of "humanism" I sould suggest to choose a more modest expression, e.g. "for the sake of humanity". The term of "humanism" ihas become to ambiguous to be useful in the context of a Constitution.

The claim of "infallibility" is without any doubt the most important cause of religious intolerance, hatred and conflict, no matter the type of religious observance it is applied to.

Hans Küng agrees, as well.

  • Von: Agon.
  • , 24. September 2007,
  • 09:03

What I do find more than fascinating: On more than one occasion a theme - in this case 'infallibility' - launched by the pregiatissimo Osservatore is shortly thereafter most prominently addressed by a learned and widely respected person in the press. In this case, by the bz s partner for the 'Montagsinterview' - Hans Küng. Amazing, really.

A warm: Bravo!

  • Von: Agon.
  • , 23. September 2007,
  • 10:18

... is all that ought be added, from a genuinly liberal point of view, to yet another most articulate contribution to the debate, that may once be referred to as "when Northern Ireland became a European Continental Problem".

Re: A warm: Bravo!

  • Von: ...
  • , 23. September 2007,
  • 10:23

"When Northern Ireland became a Continental European Problem".

esibaär hat bereits ein minarett

  • Von: Esibär
  • , 21. September 2007,
  • 22:53

gebaut.... eines ohne die eine bewilligung einzuholen......,

und zudem eines, dass für immer hält...

esibär ist hatl der zeit voraus...

und bald soll eines in arlesheim mitten auf dem dompaltz gebaut werden,,, und eines auf dem münsterplatz.....

was will man mehr.....


dann kann M.M. dorthin pilgern....und endlcih busse tun

Zu hoher

IQ, M.M., ist doch logisch, das er nicht kandidiert

zurück zur Übersicht

arlesheimreloaded.ch [Logo]

© 2010, Arlesheimreloaded.ch