Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten

Herr Obama macht den Bückling

Ich habe in den frühen Fünfzigern des letzten Jahrhunderts eine gute deutsche Erziehung genossen.

Uns wurde beigebracht, dass bei der Begrüssung eines Erwachsene ein deutscher Junge (in Lederhosen, logo) einen Diener macht, das heisst, er verneigt sich mit gestrecktem Rücken tief vor seinem Gegenüber und schaut auf den Boden. Er bietet ihm den ungeschützten Nacken dar, eine alte Unterwerfungsgeste.

Man nennt diese Art der Begrüssung auch Bückling, so wie der Fisch. 

Als meine Eltern 1954 aus wirtschaftlichen und aus familientraumatischen Gründen in die Schweiz emigrierten, mich also in ein Ostschweizer Kaff ohne Autobahnanschluss verschleppten, musste ich mir dieses antrainierte Begrüssungsritual recht schnell abgewöhnen. Wenn ich mich recht erinnere, brachte ich es lediglich auf zwei solche Begrüssungen.

Die Eingeborenen in der Ostschweiz standen damals nicht besonders auf deutsche Tugenden.

Was sie einem mit ihrer unverwechselbaren sprachlichen Variante des Deutschen deutlich zu verstehen gaben: "Sauschwob". Und wehe, man ging im Sommer nicht wie die anderen barfuss zur Schule.

Überlebt hat der Bückling im Theater. Dort gehört es noch immer zum guten Ton, dass die Schauspieler sich vor dem Publikum verneigen. Auch die Frauen.

Doch nun sehe ich heute im Tagesanzeiger, dass der Bückling wieder im Kommen ist.

Herr Obama, der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, verneigt sich beim Handgeben vor dem Kaiser von Japan. Sehr tief.

Und wie er ihn beherrscht, den Bückling! Absolut stilsicher, als wäre er bei meinem Vater in die Benimmschule gegangen.

Ist es nicht schön, zu sehen, wie eine deutsche Tradition wieder frisch belebt wird, von einem Amerikaner gar?

Übrigens, die Mädchen machten damals einen Knicks.

Kommentare RSS: title= Kommentare als RSS-Feed

ungleich unter Gleichen

  • Von: Thommen
  • , 16. November 2009,
  • 11:45

Herr Obama hätte es - wie alle Menschen - nicht nötig, einen "deutschen Bückling" zu machen. Aber so wie ich die Schuhe ausziehe vor einer Moschee, oder meinen Körper bedecke in einer katholischen Kirche, verneigt sich Obama "sittengemäss" als Besucher japanischer Kultur und Hierarchie. Das hätten Sie übrigens beim deutschen Karl May lernen können, wie ich damals, als ich seine arabischen Romane gelesen habe! ;)

Heute beim Joggen ist mir der ehemalige

  • Von: Jogger
  • , 15. November 2009,
  • 18:01

Chef von Implenia entgegen gejoggt. Da musste ich zwangsläufig daran denken, wie er damals zum Bazl wechselte, bei der Implenia aber noch den Kopf hinhalten musste, und wie gleichzeitig Laxey Implenia übernehmen wollte. Die ganze Joggerlandschaft hat sich jetzt aber wieder verändert, und Laxey verkauft die Aktien von Implenia. Vermutlich geht's denen gar nicht mehr gut. Der Hai hat wohl keine Flossen mehr, um andere Fische zu verfolgen und zu verschlucken.

Aber nun betreffend Bückling. Soll man nun vor diesem Bazl Bundesmitarbeiter und Steuergeldverschlinger den Bückling machen? Keine Ahnung, aber eins ist sicher, der jogged ziemlich langsam...

WArum nicht den Bückling machen, vor

  • Von: Einstein
  • , 15. November 2009,
  • 17:45

einem Ehrenwerten Mann. Meiner Ansicht nach spricht nichts dagegen.
Sollen wir aber den Bückling vor den Managern bei der UBS, der Crédit Suisse oder einer anderen Bank machen?
Wenn man die NZZ am Sonntag liest, sicher nicht, den jeder dieser Manager hat in der Vergangenheit nichts dagegen getan,um keine Beihilfe zum Steuerbetrug zu leisten. Man kann nur vor Patrick Odier den Bückling machen, der das lange überfällige pro-aktive Handeln der Banken vorschlägt, nämlich kein Schwarzgeld mehr anzunehmen.

Man kann also ruhig davon ausgehen, dass der Nachbar, der ien schönes Haus hat, und bei einer schweizer Bank arbeitet - dies teilweise mit Schwarzgeld finanziert hat. Und dieser Nachbar verdient eigentlich einen Tritt in den hintern.

Backlinks

zurück zur Übersicht

arlesheimreloaded.ch [Logo]

© 2010, Arlesheimreloaded.ch