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SVP: Am Ende der Fahnenstange angelangt
Von M. M., 18. Mai 2008 – 09:47:00
Der unaufhaltsame Aufstieg der SVP hat sein Ende gefunden. Am letzten Freitag in der Arena. Das liegt am Personal an der Spitze und an deren erschöpften Visionen.
Der Sieger des Abends war nicht Frau Widmer-Schlumpf, die sich durchaus souverän geschlagen hat. Sieger nach Punkten ist Herr Wasserfallen (FDP), derzeit männlicher Darling der Medien.
Der nach dem Vorbild britischer Konservativer politisierende Wasserfallen redete er Herrn Blocher mit Biss an die Wand. Der Herr Vizepräsident, der seine Argumente - völlig ungewohnt bei ihm - teilweise vom Blatt ablesen musste, hat an diesem Freitagabend die Lufthoheit über der Arena für immer verloren.
Herr Brunner, der Parteipräsident, verströmt zwar die Kraft eines jungen Stiers, aber als Zuchtbulle taugt er wenig bis nichts, um sich, der Person angemessen, einer deutlichen Landwirtschaftssprache zu bedienen.
Er wird auch in fünf Jahren nicht über das hinauswachsen, was er derzeit ist: En Buurebueb, en glatte Siech, einer, der eigentlich lieber Viehhändler geworden wäre und zwar ein guter, wäre da nicht diese vermaledeite Politik dazwischen gekommen.
Frau Hutter, auch eine Vizepräsidentin, die einem als Kämpferin wider Dieselfilter für Baumaschinen in Erinnerung ist, ist einfach nur dumm.
Die SVP ist am Ende ihres Aufstiegs angelangt, auch wenn sie da und dort in kantonalen Wahlen vorerst noch ein paar Prozente zulegen mag.
Gesamtschweizerisch hat die Partei ihren Zenith überschritten, weil auch sie es, genauso wenig wie die anderen Parteien, nicht schafft, ihre Flügel so zurecht zu stutzen, dass am Ende nur noch ein Wille und Beschluss zählt. Das Wappentier einer solchen Partei wäre übrigens das Huhn.
Man mag es beklagen oder per Ausschluss verhindern wollen: Es gibt in einer Partei eben immer Leute, die sich als Parteimitglieder und nicht als Gefolgsleute verstehen. Insofern befindet sich Avvocato Pelli, auch ein Parteipräsident, mit seiner Forderung nach ideologischer Geschlossenheit ebenso wie die SVP-Spitze auf dem Holzweg.
Wenn die Bündner weg sind, dann wird es in einer anderen Kantonalpartei zu rumoren beginnen. So ist das halt, ein parteipolitisches Naturgesetz.
Die SVP wird nach dem Ausschluss der Bündner noch weiter nach rechts driften. Und zwar nicht wegen des Fehlens der „liberalen“ Bündner, sondern weil es links keinen Platz mehr frei hat.
Parteipräsident Brunner hat in der Arena den Weg nach Rechts vorgezeichnet: Statt mit staatsbürgerlichen Überlegungen zum Einbürgerungsprozedere – da gäbe es aus liberaler Staatssicht durchaus ein paar bedenkenswerte Argumente für die Initiative – redete er rechtspopulistischen Klartext: Keine Einbürgerung mehr von Türken und Kosovo-Albaner.
Das ist zumindest ehrlich. Und ein Blick auf Italien zeigt, wohin diese Reise führen wird.
Die SVP hat ihren Höhepunkt überschritten, weil die aktuellen Vorgänge in der Partei deutliche Hinweise darauf sind, dass das Gefolgsleutepotenzial für eine zentralistisch geführte Weit-rechts-der-Mitte-Partei nicht unbeschränkt gross ist. Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.
Mit zwanzig Prozent, auch mit dreissig Prozent Wähleranteil kann man zwar laut sein, aber wenn die anderen nicht wollen, nicht wirklich etwas bewegen.
Die Stärke der SVP gründet auf der Schwäche der anderen. Und auf der Unterstützung durch die Wirtschaft. Das wird so nicht fortdauern. Eine Schwalbe wie Herr Wasserfallen macht zwar noch nicht den Frühling. Aber immerhin hat die FDP einen Nachwuchsmann, der dem Toni für die nächsten Jahre Paroli bietet.
Und für die Wirtschaft gilt, dass unter dem Strich nur zählt, was den eigenen Interessen nützt. Eine rechtspopulistische Partei, die nicht mal mehr in der Regierung vertreten ist, verliert da deutlich an Kurswert.
Postskriptum: Die derzeit interessanteste Figur bei der SVP ist Herr Spuhler. Ihn gilt es in den nächsten Wochen zu beobachten. Mit seinem Unternehmen mit dem auch politisch aktuellen Slogan: „Individualität im Schienenverkehr“ bewegt er sich in der europäischen Realität fern der Stammtische. Er ist deshalb der Seismograph, an dem man die tektonischen Verwerfungen zwischen seiner Partei und der Wirtschaft am deutlichsten wird ablesen können.
- 4.7
- | Kategorie: Politik
Kommentare
Kommentare als RSS-Feed
Re: Messmer der neue Prophet?
- Von: M.M.
- , 21. Mai 2008,
- 08:09
Wir veröffentlichen hier ja lediglich Momentaufnahmen. Das ist so wie bei den Leuten, welche das Klima in hundert Jahren voraussagen: Sind alles nur (Denk)-Modelle.
Interessant bei Online ist ja dieser Ewigkeitsanspruch dank Google. So ein Text bleibt ja (theoretisch) auf immer erreichbar, anders als bei Print.
Was ich gespannt beobachte, ist, ob so ein Text veraltet. Oder in einem oder zwei Jahren einfach als Fehleinschätzung gilt (ich kann ja jetzt schon völlig falsch liegen, was dank der Aktualität nicht so auffällt).
Die Frage ist überhaupt, ob es so etwas wie Aktualität Online noch gibt. Ob die Zeit im Web nicht eine völlig andere Relevanz erhält. Somit auch der Inhalt.
Man müsste über solche Fragen doch tatsächlich mal ernsthaft nachdenken.
Also was die SVP anbelangt, so ist sie insofern gescheitert, als sich ihr Anspruch auf das interne Durchsetzen einer einzigen Unité de doctrine nie und nimmer umsetzen lässt. Ist ein Naturgesetz.
Und überdies: Die Schweiz ist so etwas wie ein Einparteienstaat. Alles strebt zur Mitte und zum Konsens. Wer sich auf die Flügel konzentriert oder das noch lustig findet, ist ein Spinner.
Kürzlich stiess ich auf folgenden interessanten Satz: "Miteinander diskutieren können eigentlich nur Leute, die sich einig sind." Ich finde, das hat was.
Schön wärs... in 2 Wochen sehn wir weiter..
- Von: RB Christophe
- , 19. Mai 2008,
- 10:38
Schönes Wunschdenken empfinde ich - wie die Argumente wirklich angekommen sind, und innerlich verarbeitet werden, das sehen respektive wissen wir in 2 Wochen (Abstimmungs-Sonntag).
In diesem Sinne diene als Ergänzung zum tieferen Ueberlegen ein neuer Beitrag in der NZZ: http://www.nzz.ch/nach... mit Titel: ALIBI-KONKORDANZ. Hier wird die kurzfristige Aufgeregtheit der längerfristigen Konsequenzen und Politik entgegengestellt. Wer wirklich am Ende der Fahnenstange angelangti ist? Da könnten sich gewisse Meinungs-Lenker noch in den Haaren kratzen.. Let's see.
Re: SVP: Am Ende der Fahnenstange angelangt
- Von: Hanspeter Krummenacher
- , 19. Mai 2008,
- 08:26
Ich weiss nicht welche Arena sie gesehen haben, aber mir schien es eher als das Ende von Wasserfallen.
Eigentlich sollte ein Werbefachmann schon irgendwie die Realität verstehen, sonst ist es dann das Ende dieser Schreibereien.
Wunschdenken?
- Von: anaximander
- , 19. Mai 2008,
- 00:55
imho hat Wasserfallen versagt. Was Sie hier schreiben und von den Kommentatoren bestätigt wird, ist reines Wunschdenken. In einem Punkt stimme ich Ihnen zu: Spuhler ist der interessanteste SVPler. Toni Brunner hat versagt.
Absolut einverstanden, aber nicht so optimistisch
- Von: Thinkabout
- , 18. Mai 2008,
- 19:38
Bin mit Ihrer Einschätzung der Auftritte absolut einverstanden, auch was die Person Wasserfallen betrifft. Nur was die Wirkung in der Wählerschaft betrifft, bin ich mir nicht so sicher. Ich befürchte, die Fahnenstange ist noch etwas länger...
Wenn man bedenkt, dass eine Frau Hutter nicht nur Vizepräsidentin einer Partei werden kann, sondern auch eine Mehrheit findet, die sie zur Nationalrätin macht, dann bin ich nicht gerade fröhlich gestimmt, und ich fürchte, dass ich mich in der Schweiz und vor allem unter Schweizern noch ein Stück weniger auskennen werde in naher Zukunft...
Wenn die Rekrutierung von Personal innerhalb der SVP allerdings weiterhin und allerorten so schwer fällt, dann bricht ja vielleicht doch der eine oder andere Ast früher ab...?
so ist es
- Von: beobachter
- , 18. Mai 2008,
- 15:55
ganz genau. und es wird bereits mittelfristig folgen zeitigen.
weitere punkte:
- da die eu-verträge und die ausländergesetzgebung demnächst durchdefiniert sind, fehlt es der partei an substantiellen inhaltsstoffen, um von sich reden zu machen. die abstimmungen vom juni wird sie gewinnen - zu ihrem eigenen verlust.
- die "opposition" war eine taktische dummheit. erstmals begab sich die svp damit in die position, erwartungen erfüllen zu müssen.
- die müdigkeit des herrn blocher ist ein mangel, der nun offenkundig wird. der partei ist es nicht gelungen, für den (zu erwartenden) fall vorzusorgen.
- die bitterkeit des herrn blocher ist ein persönlichkeitsmangel. einem verbitterten vater folgen nicht mehr alle bereitwillig. hätte er nun den sportsgeist, den er vom politischen mitbewerber immer gefordert hatte, hätte er die widmer-schlumpf-krise wenigstens mit souvernität gemeistert. von dieser souveränität ist nichts mehr sichtbar.
- die baustelle graubünden. eben, sie ist eine. wieviel energie verpufft diese partei nun mit dem beweis ihrer "handlungsfähigkeit". es ist kaum zu glauben, wie unbeholfen sich gerade diese partei nun verhält. das ausschlussprozedere hat etwa noch 4 Möglichkeiten zur Handbremse. wird eine davon ergriffen, steht die partei ratlos da. und wird keine davon ergriffen, ja auch.
aber nun: wer füllt das vakuum?
Re: so ist es
- Von: M.M.
- , 18. Mai 2008,
- 17:50
Wenn sie Herrn Pelli in die Wüste schicken und es auch sonst nicht allzublöd angehen, könnten die FDP-Liberalen, punkten. Dort versammeln sich die intelligenteren Leute.
Die Schwäche der Liberalen war schon immer, dass sie mehr als einen Gedanken weiterverfolgen können. Aber da liesse sich schon was draus machen.
Ja gut,
- Von: tin
- , 18. Mai 2008,
- 15:12
aber bis diese Erkenntnisse zur Basis und an den Stammtisch vordringt, wird es noch lange dauern. Weitere Peinlichkeiten der SVP werden sicher bald präsentiert werden. Als nächstes wird wohl das Hick-Hack auf den Bernern ("Verbündete der Büdner") losgehen und gegen BR Schmid. Die Zürcher Parteizentrale wird die Abwahl von Blocher nie akzeptieren können.
So ein Hero war Wasserfallen dann doch nicht!
- Von: RonaldCH
- , 18. Mai 2008,
- 14:30
Nein, Herr Messmer, so grossartig war Wasserfallen dann doch nicht. Sie haben die FDP-Brille etwas zu stramm aufgesetzt gehabt. Ich hatte eher das Gefühl, dass er ganz ordentlich am Rudern war mit seinen Argumenten. Lustig, oder sogar peinlich war, dass er nicht einmal gemerkt hat, dass Müller aus Rorschach, der das wichtigste Votum des ganzen Abends für die Initiative abgegeben hat, einer seiner Parteigenossen ist.
R.
Da liegen Sie aber voll daneben ...
- Von: albi
- , 19. Mai 2008,
- 09:20
denn Thomas Müller ist CVP Mitglied und nicht FDP wie Wasserfallen. Aber Müller hat, das haben Sie richtig erkannt, sein Votum überzeugend an die Zuseher gebracht.
Du hast Recht!
- Von: RonaldCH
- , 19. Mai 2008,
- 14:16
Danke für die Korrektur! Gut auch für die CVP, jemanden in ihren Reihen zu haben mit so viel Erkenntnis über die Notwendigkeit, dass der Juristerei nicht zu viel Macht über unser Land zugebilligt werden darf.
R.
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Messmer der neue Prophet?
Herr Messmer, folgende Aussagen von Ihnen erstaunen mich:
"Der Herr Vizepräsident, der seine Argumente - völlig ungewohnt bei ihm - teilweise vom Blatt ablesen musste, hat an diesem Freitagabend die Lufthoheit über der Arena für immer verloren."
Woher wissen Sie das? Vom lieben Gott? Wunschdenken?
"Der nach dem Vorbild britischer Konservativer politisierende Wasserfallen redete er Herrn Blocher mit Biss an die Wand."
Selbstverständlich lasse ich Ihnen ihre subjektive Meinung über Wasserfallen. In meinen Augen ist Wasserfallen jedoch unglaubwürdig. Er will ein Liberaler sein und ist deswegen wie schon sein Papa in die FDP eingetreten. Vertreten tut er aber keine wirklich liberale Poltitik. Etatismus ist nicht liberal.
Auf den Rest mag ich im Detail nicht eingehen. Nur soviel, bei den Abstimmungen im kommenden Juni wird die SVP vermutlich (ich bin kein Prophet wie Sie) eine Niederlage einstecken. Ich bin deshalb dieser Überzeugung, weil ich das bei Gesprächen mit meinem Umfeld herausgehört habe und auch die Blogosphäre und die Medien mehrheitlich gegen die SVP und somit gegen alle Initiativen von der SVP (auch die Guten) sind.
Möglich, dass dieser Dämpfer zusammen mit der ständigen Medienkrtitik und dem engagierten Handeln einiger SVP'ler wie Frau Widmer-Schlumpf, Leuten aus Glarus, Leuten aus Bern und Graubbünden der SVP das Genick brechen wird. Schauen wir einmal.
Wenn es so sein sollte werden die Linken sicherlich wieder ein Freudenfest auf dem Bundesplatz in Bern feiern.
Ich sage dazu nur, Todgesagte leben oft länger als von den Gegnern erhofft. Auch wenn die SVP mit wehenden Fahnen untergehen sollte wie es sich die Linggen und Möchtegernbürgerlichen wünschen, eines ist auch klar, Leute wie ich würden sich eine politische Heimat mit Sicherheit nie in der FDP, der CVP, der SP oder bei den Grünen suchen.
Die Stärke der aktuellen SVP zeigt nämlich ganz klar auch die absoluten und nicht wegzudiskutierenden Schwächen der anderen Parteien auf.
Die CVP war meiner Ansicht nach nie eine demokratische Partei. Die CVP ist die Partei der katholischen Sonderbundskantone, die 1847 erst besiegt werden mussten damit man 1848 einen Bundesstaat gründen konnte! Die Sozialdemokraten haben die gleichen Wurzeln wie die Kommunisten und die Grünen haben ebenfalls extremistisch-diktatorische Ansätze wenn es um den Umweltschutz geht.
PS: Ich bin ein Mensch, dem Bürgerrechte und Basisdemokratie (nicht im Sinne Rousseaus) noch etwas bedeuten.