Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten

Wer nein zu Moslem sagt, muss auch Steiner ablehnen

Frau Ricklin, CVP-Nationalrätin aus Zürich, wirft eine knifflige Frage auf, die beispielsweise die Region Basel und insbesondere die Wohlstandsgemeinde Arlesheim zu denken geben muss: Die freie Schulwahl mit Blick auf weltanschaulich und religiös fixierte Trägerschaft.

So bezahlt beispielsweise Arlesheim für jeden Rudolf Steiner-Schüler einen Gemeindebeitrag von 2'000 Franken im Jahr. Als der Betrag an der Gemeindeversammlung auf der Traktandenliste stand, war die Aula gefüllt wie nie und der Gemeindrat sah sich mit dem Problem konfrontiert, ob denn alle Anwesenden auch tatsächlich stimmberechtigt seien. Erstmals musste deshalb eine strikte Kontrolle durchgeführt werden.

Frau Rickling, welche die CVP-Arbeitsgruppe zum Thema freie Schulwahl präsidiert - auch die Zürcher werden zu diesem Thema an der Urne ihr Votum abgeben müssen -  sagt, was eine Mehrheit unterstützen wird:

Wir wollen keine Moslemschulen in der Schweiz.

In Zürich soll man deshalb, so die CVP-Position, "religiöse und andere private Schulen in jedem Fall von der freien Schulwahl ausnehmen".

Damit stirbt die freie Schulwahl, stellt der Reporter des Tagi fest.

Ja. Was die Elternlobby mit ihren Volksinitiativen will - zum Beispiel Rudolf-Steiner-Schulen für alle finanzieren - ist damit nicht möglich.

Dies Argumentation liegt durchaus in der Logik der Sache: Wer keine Moslemschulen will, muss auch auf eine Unterstützung für die ebenfalls auf einer Hokuspokus-Weltanschaung basierenden Steinerschulen verzichten.

Kommentare RSS: title= Kommentare als RSS-Feed

Pfiffigkeit ...

  • Von: Pepe Engelmann
  • , 02. August 2008,
  • 04:31

Man sollte auch die Pfiffigkeit der Moslem-Strategen ins Kalkül ziehen.

In Deutschland beispielsweise haben sie da und dort auf orientalische Attitüde großzügig verzichtet, der autochthonen Bevölkerung dafür aber den Verzicht auf Christenkreuz und Ordenstracht abgepresst.

Das sind natürlich Geschäfte, bei denen das Gastvolk pleite geht !

CAVE HELVETIA !

In die Niederlande

  • Von: h.s.
  • , 01. August 2008,
  • 20:49

gibt es die freie Wahl der Schule seit über 100 Jahre. Ueber 80% der Kinder gehen in konfessionele Schulen. Seit Anfang dieses Jahr ist es amtlich: die Mehrheit der Niederländer sind Konfesionslos. Soweit die enorme beeinflussung.

Warum stellt aber M.M nie die wirkliche Frage:
Wieso haben die Lehrerverbände und die Bildungskonsi so ein Angst. Kennt M.M oder ein andere Teilnehmer hier eine Initiative wo ein Gegenkomitee gefüllt mit klingenden Namen bereits seit ein Jahr mit über 100'00 sFr. gegen eine Initiative Stimmung macht obwohl noch nicht mal ein abstimmungstermin gegeben ist?

Die Lehrerverbände haben Angst. Sie wehren sich vehement gegen jegliche kontrolle auf Ihre Arbeit. Und die möglichkeit, dass die Eltern und Kinder sowie die motivierte Lehrer mit die Beinen abstimmen, ist ihr grösster Albtraum.

Und in Arlesheim über Durchmischung reden ist Wohl den Gipfel. Machen wir ein Deal M.M.; Sie und Ihre Frau drucken in Arlesheim durch dass die Arlesheimer und Prattler-Längi schüler 50-50 gemischt werden und ich halte mein Mund.

Hokuspokus-Weltanschaung.

  • Von: Baresi
  • , 31. Juli 2008,
  • 11:21

Verstehe ich Ihren letzten Absatz richtig? Sie holen den Islam auf die Ebene der Anthroposophie runter? Oder meinen Sie mit Steiner- und Moslemschulen etwas anderes?

Re: Hokuspokus-Weltanschaung.

  • Von: M.M.
  • , 31. Juli 2008,
  • 16:46

Yupp, in den selben Topf. Als eingefleischter Agnostiker ist eine solche Feststellung eine Frage der intellektuellen Redlichkeit. Beim Ruedi kenne ich mich im Übrigen ziemlich gut aus und auch in seiner Vorgängerorganisation, der Theosophie. Stichwort für Kenner: Helena Blavatsky.

Ich halte die glaubensneutrale Staatsschule für eine ungemein wichtige Institution für unsere Demokratie. Die Kinder aller Schichten drücken gemeinsam die Schulbank - welch ein Segen.

Re: Re: Hokuspokus-Weltanschaung.

  • Von: Baresi
  • , 01. August 2008,
  • 13:34

Nun verstehe ich Sie richtig. Für meinen Geschmack dürfte die glaubensneutrale Staatsschule sogar gerne noch etwas glaubensneutraler sein. Im Politischen wie im Religiösen.

Re: Wer nein zu Moslem sagt, muss auch Steiner ablehnen

Frau Riklin ist konsequent - fast jedenfalls. Es geht schliesslich nicht um die Zulassung von Privatschulen sondern um deren Unterstützung durch Steuergelder. Kommt die Wahlfreiheit zwischen staatlichen und privaten Schulen, ist klar, dass auch private Schulen für ihre erbrachten Leistungen durch den Staat finanziell unterstützt werden müssen, sofern diese die Zulassungsbestimmungen erfüllen. (Ich persönlich will meine Steuergelder aber weder zur Finanzierung von Masernparties noch für andere religiöse Rituale in Klassenzimmern eingesetzt sehen.)

Eine andere Geschichte ist die Frage der Zulassung von privaten Schulprojekten. Und spätestens da geht die CVP-Haltung nicht mehr auf: Wenn wir die (staatlich kontrollierte) schulische Selbstsegregation von Juden, evangelikalen Freikirchlern und Katholiken dulden, müssen wir dies auch Moslems zugestehen.

Segregation

  • Von: Thommen
  • , 01. August 2008,
  • 11:48

Ich werde den Eindruck nicht los, die staatlichen Schulen und die Religionen seien eigentlich nur schlecht getrennt. Wieso kann konfessioneller Religionsunterricht nicht grundsätzlich ausserhalb erteilt werden?

Dann käme dem "Religionsunterricht" in der Schule eben eine ideologische und historische Würdigung zu. Das würden wohl nicht nur die Moslems nicht wollen! Und wer redet dann noch von einem Steiner...?

Re: Segregation

  • Von: away
  • , 03. August 2008,
  • 18:24

Religionsunterricht *in* der Schule wäre schon am richtigen Ort, aber nicht konfessionell sollte er sein. Ein Modell von Religionsgeschichte, zwingend für alle, so wenig tendenziell es möglich ist (Religion und Tendenz lassen sich so schlecht trennen..). "Historische Würdigung" passt da sehr schön. Konfliktherde kennen (und verstehen) lernen. Wie heisst es doch so schön: Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen. Dieser Auftrag ergibt sich ja quasi schon aus unserer verfassungsmässigen "ne uter" Grundhaltung.

Backlinks

zurück zur Übersicht

arlesheimreloaded.ch [Logo]

© 2010, Arlesheimreloaded.ch