Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten

Shit happens

Heute herrscht mal wieder Medienpluralismus. Eine Seite Interview mit Herrn Wermuth, dem Präsidenten einer politischen Jugendorganisation in der BaZ und eine Seite Interview mit Herrn Wermuth, dem Präsidenten einer politischen Jugendorganisation im Tages-Anzeiger.

Da hätten die beiden Verleger Geld sparen können. Es gäbe zwei Varianten, die wir den geneigten Lesern zur Auswahl überlassen.

Inhaltlich ist die Sache zum Abwinken. Da tritt mal wieder einer an, 91 Jahre nach der glorreichen russischen Oktoberrevolution den Kapitalismus zu überwinden.

Man nennt das, was dann folgen soll, demokratische Wirtschaft. Da könnten dann die Mitarbeiter von Gipsermeister Meier den Chef selbst wählen, meint Herr Wermuth.

Man muss sich nicht weiter mit Herrn Wermuth beschäftigen. Er wird zwar noch ein paar Jahre durch die schweizerische Politszene irrlichtern, "um das Leben der Menschen in diesem Land zu verbessern".

Doch seine angelesenen Sozialismusnostalgien locken keine Massen mehr auf die Strasse. Sein Pech: Er hat die 68er verpasst, weil er zu spät geboren wurde. Shit happens.

Aber bringen wir doch noch O-Ton des Joschka Fischer-Enkels:

Alle haben die Sicherheit, dass ihre Arbeitsplätze geschützt sind, dass sie gerechte Löhne haben und dass sie aufbegehren dürfen, wenn ihnen etwas nicht passt.

Ach wie herzig.

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Das überzeugendste System

  • Von: Linder
  • , 08. November 2009,
  • 21:55

..ist immer dasjenige, welches der Mehrheit der Bevölkerung das Gefühl gibt, am Erfolg der Gesellschaft partizipieren zu können. Beim Sozialismus sind die Leute bekannterweise davon gelaufen, wenn sie es denn konnten. Wenn wir eine Gesellschaft haben wie bsp. derzeit in Deutschland, wo die Leute der einfachen Einkommensschichten immer weniger in der Tasche haben, weil eine Lohnerosion stattfindet, dann muss man sich nicht wundern, wenn Parteien an den Extrempositionen Support erhalten. Wenn eine Gesellschaft erfolgreicher ist im Bestreben, dass alle vom Reichtum etwas 'abkriegen', dann ist die Zufriedenheit grösser und damit auch die Zustimmung zu den demokratischen Parteien. Profilaktisch Sozialmus/Totalitarismus verhindern heisst Gerechtigkeit schaffen. So einfach ist das.

shit happens

  • Von: Thommen
  • , 06. November 2009,
  • 21:42

Tja, der Kapitalismus hat bis heute auch nicht nachweisen können, dass er die Bedürfnisse des Menschen mittels seines Wirtschaftssystems quasi "demokratisch" befriedigen kann. Es bleibt die Vision eines "Kapitalismus mit menschlichem Antliz" oder so ähnlich...

Im Ernst: Es ist von allem schon immer genug dagewesen. Aber es brauchte eine Ideologie, um dahinter die Umverteilungen zu regeln. Dies aufzudecken bleibt demokratische Aufgabe.

Wichtige Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte: Die Krisen des Systems erfolgen in immer schnelleren Abständen, so dass es schwierig wird, sie auf verschiedene Generationen und Jahrhunderte zu verteilen, wo sie dann vergessen werden...

Nach der Kriegswirtschaft kamen die Flüchtlinge aus dem Osten, anschliessend die Saisonniers, dann die "Asylanten", heute die Arbeitslosen anderer Länder. Nicht zu vergessen die Italiener, die die ersten Bahntunnel bauten! Klickts?

Und sie beneiden ihn....

  • Von: Daniel Seiler
  • , 06. November 2009,
  • 12:01

auch immer wieder schön zu lesen, wie Journalisten linke "Extremisten" anhimmeln und die auf der anderen Seite verteufeln....

Re: Und sie beneiden ihn....

  • Von: C.P
  • , 06. November 2009,
  • 18:58

Nun, bei allen Vorbehalten, mir gefallen diese aufmüpfigen Jusos, mit ihrem provokativ herausfordernden Stil um einiges besser, als die auf tagespolitsche Hypes ausgerichteten Aktiönchen der andern politischen Kräfte. Dass sie sich nicht darauf beschränken, schön klingende, philosophische Sätzchen zu postulieren (wie zum Beispiel: Ohne Freiheit ist alles nichtig ;-) sondern es auch wagen zu definieren, was sie unter "Freiheit" verstehen, spricht für ihren Pragmatismus. Darüber lässt sich auch streiten, zum Glück. Das "neoliberale" Freiheitsverständis hat unserer Welt ja gerade an den Rand des Abgrunds gewirtschaftet. Man könnte dazu auch sagen: Shit happens und sich anschliessend noch fragen, warum um alles in der Welt Radiolizenzen (auch noch) verkäuflich sind?

Was ich meine ist: Lasst die Jungen endlich, ohne gleich den Oberlehrer zu spielen, ihre Visionen vertreten. Mutig genug, sich der Kritik zu stellen, sind sie ohne Zweifel.

Manchmal frag ich mich weshalb wir, die ältere Generation, die wir unsere Chancen hatten (und vieles versaut haben, wir wir ja alle wissen) immer noch denken, unser Denken wäre "das Mass aller Dinge".
Ich vermute, dass, wenn dem so wäre, die Zukunft unseres Landes und der Welt bald Vergangenheit wäre.

Ohne den ideologischen Background der Juso zu teilen, wünsche ich mir, dass sie unverdrossen weiterdenken, provozieren und auch handeln. Denn, "Ohne Freiheit ist alles nichtig. "

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