Arlesheimreloaded - Mäuse schultern Elefanten

"Wozu noch Zeitungen?"

Das Geschäftsmodell ist eigentlich simpel: Der Mann, der Hackfleisch verkauft, finanziert den Mann, der einen politischen Kommentar über die Aussenpolitik von Frau Calmy schreibt, weil der Leser dieses Kommentars auch Hackfleisch kauft.

Ziemlich genau so sieht das Geschäftsmodell der Printmedien aus und statt "Hackfleisch" kann man "Auto" (z.B. Fiat) einsetzen.

Alle waren zufrieden mit diesem Modell. Der Mann, der Hackfleisch verkauft, der Mann, der politische Kommentare schreibt und der Mann, der Hackfleisch kauft (wir wählen hier der Einfachheit halber die männliche Form, Frauen sind mitgemeint).

Es waren deshalb alle zufrieden mit diesem Modell, weil es sich um eine Closed User-Group handelte. Und da sind wir bei so einem moderen Ausdruck und damit gleich bei Online gelandet. Das Fernsehen können wir überspringen, weil es sich um eine weitere Closed User-Group handelt, denn wir bezahlen bekanntlich für den Glotzenempfang eine staatliche Zwangsgebühr für den Heimatsender.

Das Internet ist noch keine Closed User-Group, im Gegenteil gilt hier das Gesetz des freien Zugangs zu allen Informationen. Wer das nicht will, begibt sich in eine Semi-Closed User-Group wie beispielsweise Facebook oder hält sich vom Netz überhaupt fern.

Doch wer sich vom Internet fernhält, sich dazu entschliesst, sich ausschliesslich in der analogen Welt aufzuhalten, trifft einen Entscheid gegen die Wirklichkeit. Ein solcher Entscheid ist etwa gleich kauzig, wie auf ein Mobile-Telefon zu verzichten. Im Privaten mag das ja angehen, aber für Menschen, Unternehmen und Organsationen, welche sich gegen die Online-Welt entscheiden, bedeutet dies der sichere geschäftliche Untergang.

Man mag dies bedauern, beklagen, mit dem Schicksal wettern - allein, das alles ist nicht mehr, als mit ein paar Verschwörungsformeln gegen die technische Evolution anzukämpfen. Es gäbe nur ein Mittel - alles verbieten.

Die verantwortlichen Führungskräfte der Printmedien in Redaktionen und Verlagen befinden sich in einem Zustand tiefster Depression.

Die Süddeutsche Zeitung legt morgen ihrer Printausgabe ein Spezialmagazin mit dem Titel "Wozu noch Zeitungen" bei, das bereits heute online (!) gelesen werden kann.

Für Laien und solche, die sich im Nationalrat derzeit mit der Thematik befassen, ist das Heft ein interessanter Einstieg in die etwas verknorzte Welt der Printjournalisten. Für den Rest bleibt nur Kopfschütteln, weil die Kluft zwischen den Analogen und den Onlinern immer grösser wird. 

Das eigentlich Interessante an der Sache ist die, dass die Diskussion um die Zukunft des Journalismus nun auch in Europa angekommen ist. Wir werden also demnächst auch was bei uns im MAGAZIN lesen können, (das immer auch online zu lesen ist).

Wir können die ganze Problematik auf drei Kernpunkte verkürzen:

  • Das Modell Hackfleischverkäufer - Kommentator - Hackfleischkäufer funktioniert nicht mehr.
  • Druck und Vertrieb von  Worten auf Papier sind viel zu teuer.
  • 95% aller Journalisten taugen nichts für die neue Nachrichtenzeit.

Im Netz wird heute über das morgen erscheinende Magazin bereits diskutiert:

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